Wie kommen die Streifen auf die Tulpen?

Tulpen
Moderne gelbe Tulpensorte mit rotem Muster

Es waren ursprünglich die sogenannten Rembrandt-Tulpen (die „gebrochenen“ Tulpen), die gestreifte, geflammte, gefleckte, zwei- und mehrfarbige Blütenblätter zeigten. Lange wußten die Tulpenzüchter und -händler nicht, wie es zu diesen Farbbildern kommt. Es ist ein Virus, das Tulpenmosaikvirus oder kurz TBV genannt, das diese Zeichnungen hervorbringt.

Gebrochene Tulpen
Ausschnitt von einem Graphikblatt aus dem Florilegium Hortus Eystettensis von Basilius Besler. Dargestellt sind Rembrandt-Tulpen (Gebrochene Tulpen).

Das Virus hat gewissermassen dazu beigetragen, dass während des Tulpenfiebers (oder auch Tulpenmanie) im 17. Jahrhundert in den Niederlanden spektakulär hohe Preise für Tulpenzwiebeln erzielt werden konnten. Die bekannteste Sorte dieser Zeit war die Sorte ‚Semper Augustus‘, die teuerste Tulpe der Welt. Sie ist inzwischen ausgestorben. Die Schönheit der Tulpen jener Zeit kann man in den wichtigsten Blumenbüchern, den Florilegien, an Hand aquarellierter Kupferstiche betrachten. Am berühmtesten ist das Florilegium Hortus Eystettensis, der Eichstätter Garten des Bischofs von Gemmingen, erschienen 1613 und ausgeführt von Basilius Besler, das 50 Tulpensorten zeigt.

Das Virus wird über Blattläuse übertragen, infiziert die Tulpenzwiebel und ruft unterschiedliche Farbmuster auf den Blütenblättern hervor. Die Farbbilder entstehen durch die Anreicherung oder den Verlust von Pigmenten, insbesondere der roten Farbstoffe, der Anthocyane, in den Vakuolen der oberen Epidermis und erscheinen erst, wenn die normale Blütenblattfarbe entwickelt ist. Beide Seiten des Blütenblatts zeigen oft unterschiedliche Farbbilder. Übrigens – gelbe und weiße Tulpen zeigen diese Muster nicht, denn sie haben keine Anthocyane. Das Virus kann ziemlich schwer bekämpft werden, denn es ist weltweit verbreitet, besonders in der gemäßigten Klimazone. Und es führt zur Degeneration der Zwiebel wie auch der Pflanze, so dass viele der Rembrandt-Tulpen nicht mehr existieren.

Die heutigen geflammten Sorten sind genetisch mehrfarbig und virusfrei. Sie werden nicht mehr als Rembrandt-Tulpen vermarktet und man findet sie in allen Tulpenklassen, bei den einfachen Tulpen, den Papageientulpen oder den paeonienblütigen Tulpen. Diese modernen Sorten sind das Ergebnis langjähriger Züchtung und entstehen aus Mutanten bestimmter Sorten.