Abenteuer Sibirien, 5. Etappe – Auf der alten Baikaltrasse und Listwjanka

Heute fahren wir mit dem Touristenzug Nr. 934 um 7:45 Uhr Ortszeit vom Hauptbahnhof Irkutsk nach Sludjanka. In Sludjanka beginnt die 89 km lange, meist eingleisige Strecke der Baikalbahn, die zwischen 1902 und 1904 als Teil der Transsibirischen Eisenbahn erbaut worden war und am südwestlichen Ufer des Baikalsees entlang führte. Zahlreiche Tunnel durch Felsen und Brücken über Flüsse und Bäche mußten erichtet werden.

Tunnel an der Strecke
Aufgrund des Baus des Irkutsker Stausees 1951 ist der Wasserspiegel der Angara angestiegen, der ehemalige Streckenabschnitt mußte stillgelegt und die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn verlegt werden. Heute kann man etwa 7 km mit einem Touristenzug befahren und 39 Tunnel ansehen. In Sludjanka findet an unserem Zug ein Lokwechsel statt, anstelle der Elektrolok wurden zwei Dampfloks vorgespannt.
Die Elektrolok wird auf der alten Streckenführung durch zwei Dampfloks ausgetauscht.
Der Bahnhof in Sludjanka ist vollständig aus Marmorblöcken gebaut.
Ab hier fährt dann der Zug auf der alten Baikaltrasse entlang, manchmal direkt am Ufer. Der Zug hält mehrmals zum Aussteigen und Besichtigen der alten Streckenführung. Die Reiseleiterin erklärt uns die historischen Hintergründe und den Bau der Trasse, der Tunnel und Galerien. Die Fahrt endet in Port Baikal um 19:30 Uhr. Es ist eine erlebnisreiche Zugfahrt mit vielen Ausblicken auf wunderschöne Natur.
An der Trasse wurden Tunnel in den Berg gebaut und das Wasser wird in den See abgeleitet.
Was die Dorfbewohner an der Baikaltrasse verkaufen: Zedernzapfen und -kerne sowie Omul, den traditionellen Fisch aus dem Baikal

In Port Baikal nehmen wir das Fährschiff, um den Angara-Abluß zu queren. Kennen Sie die Legende? Angara, die einzige und schöne Tochter des Vater Baikal verliebte sich in den Jüngling Jenissei und flüchtete zu ihm. Der Vater warf ihr aus Zorn einen großen Felsbrocken nach, der bei Listwjanka als Schamanenstein aus dem Wasser ragt und die Grenze zwischen Baikal und Angara markiert. Mit ihrem Geliebten, dem Jenissei, vereinigt sich die Angara nördlich von Krasnoyarsk und bis dahin bildet sie mehrere Stauseen, die größten bei Irkutsk und Bratsk. Söhne, das heißt Zuflüsse, hat der Baikal mehr als 300. Wir nehmen Quartier in Sasha’s Guesthouse in Listwjanka. Es ist ein kleines Hotel, neu gebaut, mit Ausstattung im europäischen Standard und sehr freundlichem Personal. Die Küche ist auch super. Wir genießen die kurze Zeit. Listwjanka selbst ist ein kleiner Touristenort, der weiter ausgebaut werden soll. Für alle Nachmacher: In Listwjanka sollte man einen Tag länger bleiben, vielleicht auch mehr.

Die Unterkunft in Sasha’s Guesthouse in Listwjanka
Omul überbacken mit Käse – ein Gedicht

Abenteuer Sibirien, 4. Etappe Taischet – Irkutsk

In Irkutsk kommen wir am Hauptbahnhof am nächsten Morgen um 7:18 Ortszeit an, nach Moskauer Zeit in der Nacht. Hier endet nun unsere Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Wir haben 6 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland. Wir werden abgeholt und zu Galina gebracht. Sie wohnt im Zentrum von Irkutsk und vermietet Zimmer in einem 150 Jahre alten Holzhaus. Das Haus ist bisher nicht renoviert. Jede Familie bekommt ein ganz kleines Zimmer. Bei unserem Zimmerfenster ist das Fensterbrett außen in der Höhe des Fussweges. Über Jahrzehnte hat man den Fußweg und die Straße mit Asphalt erhöht und das Haus gleich mit eingefaßt. Galina ist eine jung erscheinende Dame mit einem immerwährenden Redeschwall, sehr freundlich und hilfsbereit. Sie hat für unser Frühstück Bliny bereitet, die wir mit Salat herzhaft oder süß mit vier verschiedenen Marmeladen (Warenije) verspeisen. Die Beeren des Sommers lassen grüßen. Dann beginnen wir unseren Besichtigungsspaziergang in die Stadt an der Ankara.

Galinas Holzhaus auf der Hofseite

Abenteuer Sibirien – In Birjusa

Wir werden am Bahnhof in Taischet abgeholt und mit dem Auto geht es etwa 15 km zum Dorf Birjusa am gleichnamigen Fluß. Birjusa ist mit seiner etwa 360-jährigen Geschichte das älteste Dorf im Kreis Taischet. Es befindet sich auf einer Insel im Fluß. Seinen Namen haben Fluß und Dorf in Anlehnung an einen ethnischen Stamm der Tataren, die in diesem Gebiet lebten.

Am Fluss Birjusa, der 1,12 km lang ist und dessen Wasser irgendwann in der Angara ankommt.
Gleichzeitig mit der Ansiedlung von Kosaken in Sibirien kamen in dieses Gebiet auch Verbannte, die an den Bauernaufständen teilgenommen oder sich gegen die Zarenherrschaft erhoben hatten. Durch Birjusa verlief der alte Sibirische Trakt, die alte Heer- und Handelsstraße, die quer durch Sibirien Moskau mit Irkutsk verband. Diesen Weg nahmen auch die Dekabristen. Heute leben in Birjusa etwa 600 Menschen. Das Dorf wurde auch bekannt durch ein Kinderheim, das 1932 für Kinder von Verbannten, die sich in Arbeitslagern befanden, gegründet war. Später lebten hier auch obdachlose Kinder in den Zeiten des Krieges und von Alkoholikern. Seit Ende der 1990-er Jahre war das Kinderheim von Doris Knop,ihrer Familie und vielen Freiwilligen finanziell und materiell unterstützt worden. 2014 wurde das Kinderheim geschlossen, obwohl es noch 30 Kinder gab, und brannte schließlich ab.
Valentina, unsere Gastgeberin, empfängt uns mit Freuden in ihrem Haus. Das Frühstück steht schon bereit. Obwohl ich mir so meine Gedanken gemacht hatte, wo wohl 8 Personen schlafen werden, ist dies überhaupt kein Problem. Alle Zimmer des kleinen Häuschens stehen zur Verfügung und wir nutzen ausklappbare Sessel, Couch und Bett zum Schlafen. Fließend Wasser gibt es nicht, dafür hat das Grundstück zwei Brunnen für das Trink- und Gießwasser. Valentina nutzt inzwischen die Sommerküche zum Leben und Schlafen. Besonders schön ist Valentinas Garten, da muss man kein Gras hauen. Viele Gemüse- und Blumenbeete, Obststräucher, die Pflanztöpfe bemalt und liebevoll arrangiert.
Die Balkonblumen zieht Valentina alle selbst und wie wunderbar sie doch gedeihen.
Man fragt sich, wie man in den wenigen Monaten des Sommers solche kräftigen Pflanzen heranziehen kann, wahrscheinlich mit sehr viel Liebe zur Natur. Der Hof wird von einem großen Hund bewacht, der immer (?) an der Leine liegt.
Das Wohnhaus von Valentina und die Gemüse- und Blumenbeete
Zu Valentinas Anwesen gehört auch die Sommerküche mit der Banja daneben. Hier kann man im Sommer bei großer Hitze wohnen, schlafen und kochen.
… und am Ende des Gartens sind das grüne Toilettenhäuschen und die Dusche mit dem Fass auf dem Dach…Im Winter, wenn beispielsweise 2m Schnee liegen, muß sich Valentina erst den Weg bis zum Toilettenhäuschen frei schaufeln.

Gegen Mittag holt uns die ehemalige Englischlehrerin zu einem Rundgang im Dorf ab. Sie erzählt uns über die Geschichte des Dorfes, über die Zeiten der Sowjetunion, wie es jetzt den Menschen geht, wie der Fortschritt kommt. Uns beeindruckt vor allem, wie trotz aller gesellschaftlicher und sozialer Widrigkeiten, trotz Verbannung, Arbeitslager, Hunger, Krieg und Not, eine kleine Gemeinschaft zusammenhalten kann. Und sie erzählt von den vielen Männern, die die Perestroika aus der Bahn geworfen hat und die sich dann dem Alkohol ergeben haben. So sind die Frauen die wahren Helden, aber sie wären schon dankbar, wenn sie sich einmal kurz anlehnen könnten.
Ein echtes sibirisches Holzhaus aus Zedernholz und Holz der Sibirischen Lärche.
Die bunten Häuser in Birjusa
Die russischen Häuser sind meist blau und grün gestrichen. Blau für den Himmel und Grün für die Natur. Ist doch der Winter lang in Sibirien, so hat man eben die Farben für die Erheiterung der Seele.
Mittagessen und Abendbrot kocht uns Valentina.Es ist stets sehr reichhaltig, mit drei Gängen, wie in Russland üblich. Das Essen ist bodenständig, alle Zutaten kommen aus dem Garten oder von den Nachbarn.
Eine kleine Fachsimpelei darüber, wie man sich mit den Gaben aus dem Garten ziemlich autark ernähren kann. Kühe und Hühner hat Valentina abgeschafft, aus Altersgründen. Aber Fleisch, Milch und Eier kann man im Dorf von den anderen Bewohnern erwerben.
Dann am Abend der Besuch in der Banja, Männer und Frauen getrennt. Zunächst war natürlich eine kleine Instruktion notwendig. Das warme Wasser kommt aus einem riesigen Badeofen, der mit Holz beheizt wird. Ab und zu gießt man Wasser auf den Ofen. Dann kommt ein großer Schwall heißer Luft in den Raum, dass es einen umwirft. Nun macht man sich eine Schüssel mit Wasser, gießt es sich über den Kopf und wäscht sich gründlich, spült alles wieder ab, immer mit der Schüssel, und legt sich dann auf die Liege (so wie in der Sauna). Dann nimmt jemand den Strauß aus Birkenreisig mit den Blättern, feuchtet ihn an und schlägt auf den Rücken, die Beine und die Füße. Es tut weh, aber man hält es aus. Nun noch schnell hinaus unter die Sommerdusche im Garten und das kalte Wasser über den Körper. Ach, ist das eine Lust (wo ist eigentlich meine Sommerdusche in Deutschland??). Als wir aus der Banja kommen sind wir wie neu geboren. Am nächsten Tag wieder ein wunderbares Frühstück und dann rüsten für den Ausflug in die Taiga. Wir können leider keine Bootstour machen, weil die Fische Schonzeit haben zum Laichen. Es geht mit den Autos zunächst am Fluss entlang, dabei machen unsere Begleiter eine Wettfahrt über Stock und Stein, durch Löcher, Wassergruben und über nicht befahrbare Wege. Schließlich finden wir einen Grillplatz direkt am Fluss. Der Tisch und die Bänke stehen für Besucher schon bereit. Braucht man also nur noch das Feuer anmachen und die eingelegten Hühnerbeine auf den Grill legen. Dazu Gemüse aller Art und Kartoffeln vom Spieß. Dann fahren wir hinauf auf den Berg und werfen einen Blick auf die Flusslandschaft, den unendlichen Wald und verinnerlichen das Bild dieses wunderschönen Fleckens Erde.
Blick vom Weissen Berg auf den Fluss Birjusa mit seinen Inseln und Krümmungen
Unsere Begleiter schlagen vor, einen kleinen Spaziergang zu machen. Die Autos werden auf einer Wiese abgestellt, das Gras geht uns bis an das Knie. Auf meine Frage, ob wir die Wanderstiefel brauchen, schaut der Begleiter nur auf seine Füsse und die stecken in Flipflop. Als wir die Autotür aufmachen, fallen die kleinen Mücken schon über uns her. Schnell haben wir die Wanderstiefel an, die langen Hosen und das Moskitonetz über dem Kopf. Mich stechen sie trotzdem mehrfach in die Ohrmuschel, und ich werde tagelang das Jucken verspüren. In Perm hatte uns unser Begleiter erzählt, dass er neulich bei seinem Freund nach einem Spaziergang im Waldpark 32 Zecken abgelesen hat. Das vergessen wir auch nicht. Unser Spaziergang entpuppt sich als ein Aufstieg auf den Weissen Berg (der Name ist vom Marmor) und eine Wanderung durch einen undurchdringlichen Wald. Ich gehe möglichst weit hinten in der Reihe, da sind dann vielleicht keine Zecken mehr im Anmarsch und man weiß auch, wohin man tritt. Es ist sehr warm an diesem Tag und die Anstrengung der Wanderung tun das ihre. An den offenen Stellen des Waldes wachsen Orchideen und Steinbrechgewächse, die gerade ihre Blütenstände schieben. Schließlich erreichen wir ausgepowert die Autos. Wir haben gerade noch zwei Stunden bis zur Abfahrt des Zuges. Das reicht für eine Dusche (das Wasser in der Banja ist noch warm), für das Abendbrot, und dann nehmen wir auch schon Abschied. Vielen Dank für den offenen Einblick in euer Leben, sagen wir. Kommt wieder im Winter, da ist der Fluß zugefroren, wir können angeln und eine deftige Banja nehmen, sagen unsere Gastgeber.

Der Zug fährt 20:45 Ortszeit, also Moskauer Zeit 15:45, man behalte den Überblick. Es ist der Zug Nr. 8, Novosibirsk-Wladiwostok. Wir halten die Hygiene aus, ist ja nur für eine Nacht. Die Technologie des Bettenbeziehens haben wir inzwischen auch gelernt. Einer steigt hoch und schüttelt das bezogene Bett nach unten.

Abenteuer Sibirien, 3. Etappe Perm – Novosibirsk – Taischet

Der Zug ab Perm geht 0:23 Uhr (Moskauer Zeit 22:23 Uhr, wir sind also schon 3 Stunden früher dran als zu Hause). Es ist Zug Nr. 68 auf der Strecke Moskau – Abakan. Man sagt, dass mit steigender Zugnummer auch die Qualität abnimmt, so ist es denn auch. Es gibt keine Biotoiletten mehr und die Toiletten werden durch den Zugbegleiter jeweils eine halbe Stunde vor der Haltestelle zu- und eine halbe Stunde nach der Haltestelle wieder aufgeschlossen. Da muss man schon genau planen und den Fahrplan kennen, besonders wenn man älter und alles schwieriger zu handhaben ist. Die Waschbecken erscheinen auch kleiner und das Besondere ist, dass das Wasser über einen Stift am Auslaufhahn zu regulieren ist, nicht über die Drehknöpfe. Also entweder Stift halten mit einer Hand und Wasser läuft raus oder eben kein Wasser. Etwas kompliziert. Andere Länder andere Sitten.
Diesmal ist es der längste Abschnitt unserer Fahrt. Die halbe Nacht, der ganze Tag und noch eine Nacht. Wir haben uns gut in Perm mit Lebensmitteln versorgt und sind den ganzen Tag bei bester Laune. Draußen fliegen die Birkenwälder vorbei, überall Wasser und Sumpf. Viele Birken sterben im Wasser. Es sieht aus wie ein Birkenfriedhof.

Die Birkenfriedhöfe und Birkenhaine werden durch kleine Häuschen unterbrochen. Die Dörfer ziehen sich direkt an der Bahnlinie entlang. Die meisten Häuser sind aus Holz und wohl schon sehr alt. Man könnte meinen, sie wären durch die Arbeiter errichtet, die die Eisenbahn bauten. Da war der Weg zum nächsten Streckenabschnitt nicht so weit. Die Phantasie schlägt Purzelbäume, wie es so war, damals. Viele Häuser verfallen. Wer will schon in Sibirien leben, wenn es von Oktober bis April schneit und -40°C gibt?

Es kommen kleine und größere Haltestellen: Wir fahren durch Jekaterinburg im Ural, benannt nach der Zarin Katharina I., der Frau Peters des Großen. Dann kommt Tjumen und Erinnerungen werden wach an die Zeit, als ich in diesem Gebiet in den Studentenbrigaden gearbeitet habe. Das Gebiet Tjumen gehört zu den reichsten Russlands aufgrund der Erdöl- und Erdgasvorkommen. Weiter geht es nach Omsk, der Millionenstadt am Zusammenfluss von Irtysch und Om. In der Wirtschaftskraft liegt Omsk gleich hinter Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg.

Tjumen, der Halt mit Erinnerung
Der Bahnhof in Omsk

An den Haltestellen können wir gern mal aussteigen, um den Bahnsteig zu besichtigen oder etwas an den kleinen Kiosken zu kaufen. Ein richtiges Plombier, das typische Eis, soll es immer sein. Oder vielleicht doch lieber Eskimo-Eis in der Schokoladenhülle für 150 Rubel? Die Zugbegleiter geben rechtzeitig bekannt, wann wir wieder einsteigen sollen.
…und wieder ein Halt…, die Zugbegleiter warten schon.

So verleben wir einen entspannten Zugtag und kommen am nächsten Morgen um 6:00 Uhr (Moskauer Zeit 2:00 Uhr) in Novosibirsk an. Dieser Halt ist im Prinzip nur wegen des Umsteigens in einen anderen Zug notwendig. Novosibirsk ist die drittgrößte Stadt Russlands und die größte in Sibirien mit über 1,5 Mio. Einwohnern. Die Stadt liegt am Fluss Ob, der dort teilweise fast einen Kilometer breit ist, und wo eine Brücke für die Transsibirische Eisenbahn den Fluss quert. Diese Brücke hat dazu geführt, dass sich der kleine Ort zu einem mächtigen Industrie- und Wissenschaftsstandort entwickelt hat.
Wir geben unser Gepäck am Bahnhof ab, der Anfang des 20. Jahrhundert erbaut, einer der größten seiner Art in Russland ist. Bis mittags haben wir Zeit, ein Café zu besuchen und die Stadt ein wenig anzusehen.
Unser nächster Zug fährt ab Novosibirsk um 12:32 Uhr (Moskauer Zeit 8:32 Uhr). Es ist Zug Nr. 44 auf der Strecke Moskau – Chabarowsk. Die Zugnummer ist zwar niedriger, aber der Qualitätsstandard ist auch am niedrigsten. Das Abteil ist noch nicht aufgeräumt und schmutzig, die Gäste sind wohl gerade ausgestiegen. Das Schlimmste ist jedoch der Halt in Krasnoyarsk in der Nacht. Ich möchte gern die Toilette benutzten, aber sie ist verschlossen, der Zug steht 40 Minuten. Schlechte Planung.
Wir sind in Taischet um 04:03 Moskauer Zeit mit nur drei Minuten Halt, bedeutet – aussteigen für acht Personen an einer Tür mit Gepäck in drei Minuten. Obwohl wir unsere Gepäckstücke bereits vorher genau neben die Tür gestellt haben, an der wir laut Zugbegleiterin aussteigen können, geht alles schief. Es ist die andere Tür, an der der Bahnsteig endet. Die Zugbegleiterin schließt daraufhin die Türen rechts und links auf und bedeutete uns, auf beiden Seiten auszusteigen und das Gepäck irgendwie hinunter zuwerfen. Fazit: Zwei Personen mit vier Koffern stehen auf dem geschotterten Zwischenraum zwischen den Gleisen, die anderen stehen auf der anderen Seite auch mit Gepäck und dazwischen der Zug. Wir können nur froh sein, dass kein weiterer Zug eingefahren ist und es nicht zur Katastrophe kam.

Abenteuer Sibirien, 1. Etappe Dresden-Moskau

Mythos Transsibirische Eisenbahn. Wir wollten die Transsib er“fahren“ (zumindest einen Teil) und (Sibirien) er“leben“.
Die erste Etappe ging von Dresden nach Moskau, der leichteste Abschnitt mit Aeroflot. Spät in der Nacht kommen wir im Hotel Izmailovo Alpha an.

Hotelcomplex Izmailovo
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Unmengen von Chinesen an der Rezeption, auch eine Auswirkung der Russland-Sanktionen. Russland öffnet sich nach Osten und man kann es überall sehen und erleben. Die Hinweise und Informationen für Touristen im ganzen Land sind nunmehr auch auf chinesisch. Es dauert eine lange Zeit, ehe wir unsere Pässe und Visa registriert haben. Das Hotel liegt am Izmailovo Park und dem Izmailovo Kreml.
Am nächsten Morgen dann die Freude Moskau wiederzusehen. Die Metrostation Partizanskaya ist gleich neben dem Hotel, man nehme die Blaue Linie und steige am Platz der Revolution aus. Zum Roten Platz nur ein paar Schritte. Da ist er, der Rote Platz in seiner ganzen Schönheit. Denn „красный“ kommt von Schönheit und wurde dann zu rot. Leider ist der Platz etwas abgesperrt, denn die Stadt rüstet zum Feiertag, zum Tag Russlands (День России) am 12. Juni, und die Tribünen werden aufgebaut.
Basilius-Kathedrale an der Südseite des Roten Platzes, heute ein Museum
. Vom Roten Platz aus geht man durch den Alexandergarten vorbei am Grabmal des unbekannten Soldaten zu den Kassen für den Kreml. Wir hatten die Karten für die Besichtigung schon vorab im Internet gekauft, so dass wir uns nicht in die endlosen Schlangen für die Touristen einreihen müssen.
Staatliches Historisches Museum
Es dauert eine ganze Weile, bis man die Sicherheitsmassnahmen durchlaufen hat und endlich den Kreml betreten kann. Die Kathedralen und Paläste, die Farben und das Gold, der Prunk und die Schlichtheit, sie beeindrucken uns nachhaltig. Das herrliche Sommerwetter trägt auch dazu bei, uns einen wunderschönen ersten Urlaubstag zu bescheren.
Glockenturm Iwan der Große. Mit 81 Metern das größte Bauwerk im Kreml und lange Zeit auch in Moskau selbst.
Auf dem Palastplatz.
Der Erlöser Turm (Спасская башня)
Als die Glocken am Erlöserturm Mittag einläuten, verlassen wir den Kreml in Richtung GUM und genießen eine kurze Pause im ehrwürdigen Kaufhaus. Inzwischen in der Hand der Markenlabel aus aller Welt, jedoch fast keine Kunden. Lediglich im Restaurantbereich (Achten Sie auf die Preise) kann man bei der Selbstbedienung einen kleinen Imbiss nehmen.
Im Warenhaus GUM mit einer über 100-jährigen Geschichte, einst das größte Warenhaus Europas. Blick auf den Brunnen unter der zentralen Glaskuppel.
Anschließend gönnen wir uns eine Stadtrundfahrt mit einem Hop-on-hop-off-Bus, die Haltestelle ist direkt an der Ecke des GUM am Roten Platz, gegenüber dem Erlöserturm. Übrigens diese Busse gibt es in Russland bisher nur in Sankt Petersburg und Moskau.
Und dann am Abend: Endlich geht die Zugreise los, vom Jaroslawler Bahnhof.