Abenteuer Sibirien, 2. Etappe Moskau – Perm

Unser Zug fährt um 22:50 Uhr ab. Es ist der Zug Nr. 30, ein Firmenzug mit dem Namen „Kuzbass“ auf der Strecke Moskau – Kemerovo. Es dauert lange, ehe wir es uns in dem recht engen Abteil zu viert gemütlich gemacht haben. Der Zug hat eine Biotoilette. Was für ein Schatz das ist, erfahren wir erst später in den folgenden Zügen unserer Reise. Diese Toilette ist während der gesamten Fahrstrecke benutzbar. Auch hat der Zug eine Dusche, eine im gesamten Zug. Eine nicht zu unterschätzende Neuerung. Es ist schon weit nach Mitternacht, ehe wir uns schlafen legen, alles erkundet und zurecht gelegt haben. Die Liegeflächen sind recht schmal, irgendwann gewöhnt man sich daran. Wir zwei Frauen in unserem Abteil wollen unbedingt oben schlafen. Es ist äußerst schwierig, da hinauf zu krabbeln. Zwar gibt es eine Minileiter, aber die Gliedmaßen verrenkt man sich trotzdem. Die Abteiltür steht noch offen und ein Mitreisender schüttet sich aus vor Lachen, wir anschließend auch. „Eine russische Frau würde niemals da hoch klettern und 5.000 km im Zug fahren. Spätestens in Tobolsk müßte der Ehemann ihr einen Pelzmantel kaufen, als Anerkennung für diese Leistung“, sagt er. Was sollen wir mit einem Pelzmantel in Dresden? Zumindest haben seine Worte bewirkt, dass wir in den nächsten Zügen unten schlafen und die Männer oben. Der Zug fährt über Vladimir und Nishni Novgorod. Das bekommen wir gar nicht mit, denn es ist Nacht.

Den nächsten Tag erleben wir im Zug. Immer präsent sind die Zugbegleiter und sie stehen hilfreich zur Stelle. An der Haltestelle ziehen sie ihre perfekte Uniform in Grau an und stehen zu zweit vor dem Zug, um neue Gäste in Empfang zu nehmen.

Allerdings ist es wichtig, dass man etwas zum Essen mithat. Denn beim Zugbegleiter gibt es nur kleine Snacks und Schokoladenriegel. Den Tee gibt es auch nicht mehr kostenlos, nur noch das warme Wasser aus dem elektrischen Samowar.

Einkaufen in Perm, es gibt auch Bäckereien. Hier kann man gefüllte Piroggen, Quark- und Mohnschnecken, süße und deftige Teilchen für unterwegs kaufen.

Ansonsten kann man auch in das Zugrestaurant gehen. Da sitzt kaum jemand, denn es ist nicht preiswert und die Portionen sind spärlich. Das Personal sitzt eher vor dem Fernseher, als dass es in der Küche wäre.
An welchen Ortschaften der Zug hält, erfährt man über den Fahrplan, der im Waggon aushängt. Manchmals sind es gar 30-45 Minuten Wartezeit. Auf den Bahnsteigen stehen keine Einheimischen mehr, um Lebensmittel und selbst gebackene Piroggen anzubieten. Diese Tradition ist leider verloren gegangen und wahrscheinlich nicht mehr zulässig. Dafür gibt es manchmal (!) kleine Kioske, wo man etwas kaufen kann.

Kleine Verkaufsstände an den Haltestellen der Transsibirischen Eisenbahn

Ich hatte mir für die langen Tage im Zug allerhand Sachen für den Zeitvertreib mitgenommen. Da kann man vielleicht zeichnen, malen, stricken und lesen, dachte ich. Nichts davon ist geworden. Man sieht zum Fenster hinaus, genießt das Grün, beobachtet die Menschen im Zug, führt kleine Gespräche und sinniert über das Leben.
In Perm, unserem Etappenort im Vorland des Ural, kommen wir am späten Abend um 19:41 Uhr nach Moskauer Zeit an. In Wahrheit ist es in Perm schon 21:41 Uhr. Aber alle Zugfahrzeiten richten sich nach Moskauer Zeit und man kommt als Fremder völlig durcheinander, am besten man trägt zwei Armbanduhren. Ich mache mir so meine Gedanken darüber, wie hier alle Augen nach Moskau gerichtet sind. Wir werden abgeholt und schlafen im Hotel „Ural“, ganz perfekt.