Abenteuer Sibirien, 7. Etappe – Die Rückreise

Am nächsten Morgen treten wir die Rückreise an, mit dem Minibus bis Irkutsk, dort einen Nacht bei Galina, dann der Flug mit Aeroflot bis Moskau und Umsteigen nach Dresden. Zwei Tage und wir sind wieder zu Hause, sechs Stunden Zeitunterschied überwindend.
Wenn wir uns auch auf den Komfort in Deutschland wieder freuen, so sind wir doch glücklich, dieses Abenteuer unternommen zu haben. Was hat es uns gebracht? Wunderschöne, unvergessliche Eindrücke über die Schönheit der Natur auf unserem Planeten, Gespür und Erfassen der Weiten Russlands und Sibiriens, Erweiterung unseres politischen und sozialen Blickfeldes und nicht zuletzt Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die uns in Freundschaft und Vertrauen auf dieser Reise begegnet sind.

Der Schamanenfelsen im Sonnenuntergang.
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Abenteuer Sibirien – Auf der Insel Olchon

Nun sind wir auf der Insel Olchon. Es ist die größte Insel im Baikalsee, 114 km lang und 15 km breit. Zwischen der Insel und dem Festland liegt das Kleine Meer. Auf der Insel findet man eine überwältigende Vielfalt der Landschaft. Weite Steppenwiesen, Sandstrände mit Dünen, Marmorfelsen in der Ebene und steile Klippen am Meer. Die Flora wandelt sich im Verlaufe der Insel, im Südwesten findet man Lärchenwälder, im Nordosten gibt es Steppenlandschaft. Am Nordkap vereinigt sich das Kleine Meer mit dem offenen Baikalsees (das Große Meer).

Unterwegs auf der Insel. Blick auf das Festland, dazwischen das Kleine Meer.

Von Olchon aus kann man Ausflüge buchen, meistens Routen an das Nordkap oder in den Süden der Insel. Begleitet werden wir von einem einheimischen Führer, der uns auch bereitwillig in die Mythologie des Landes einweist. Es sind unzählige kleine Minibusse mit Touristen unterwegs, die die Sehenswürdigkeiten der Insel abfahren. Auf unserer Route nach Norden besuchen wir das Cap Khoboy, welches den Baikalsees überragt und an dem man die kleinen Baikalrobben sehen kann. Der Ausblick auf den Baikal ist grandios.
Das Kleine Meer
Buchten und Sandstrände auf der Insel
Beim Fischerdorf am Sandstrand, wo es ehemals einen Betrieb für Fischerverarbeitung und ein Arbeitslager gegeben hat.
Schroffe Felsen und klares Wasser
Im Süden der Insel
Zu Gast bei den Burjaten

Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist jedoch der Schamanenfelsen bei Chuzir, eine heilige Stätte der Burjaten, die für Rituale genutzt wird. Dieser Felsen ist eines der Heiligtümer Asiens.
Der Schamanenfelsen und das Kleine Meer.
Am Schamanenfelsen.

Von besonderer Schönheit sind die Steppenwiesen. Es ist eine derartig große Vielfalt an üppig und bunt blühenden Pflanzen, wie man sie nur aus Steingärten kennt. Leider ist der Botaniker in mir zu gering ausgebildet worden, dass ich diese Pflanzen zuordnen könnte. Man möchte überhaupt nicht einen Fuss vor den anderen setzen, immer in Sorge darüber, dass man etwas zertritt.
Schon der Pflanzen wegen würde ich die Insel gern noch einmal besuchen, aber nur mit einem botanischen Buch in der Hand.
Wir haben auf der Insel zwei Tage verbracht, ohne An- und Abreise gerechnet. Dies ist definitiv zu wenig Zeit. Man benötigt doch etwas Freiheit, um die Insel in vollen Zügen genießen und nach der langen Reise aufatmen zu können.

Wir nehmen Abschied vom Baikal, von Sibirien und von Russland.

Abenteuer Sibirien , 6. Etappe – Auf dem Weg nach Chuzir, Insel Olchon


Mit einem Kleinbus begeben wir uns am nächsten Tag von Listwjanka auf den Weg zur Insel Olchon im Baikalsee. Zunächst halten wir am Museumsdorf Talzy und verbringen dort einige Stunden. Das Museum wurde 1966 gegründet und beherbergt historische Baudenkmäler aus dem 17. bis 19. Jahrhundert aus dem Gebiet Irkutsk.
Mehr als 30 Bauten wurden hier wiedererrichtet, ein Ewenken-Lager, burjatische Jurten, Bauern- und Kosakenhäuser, Kirchen und eine Holzfestung. Eine Besichtigung lohnt sich, vieles ist noch im Aufbau.

Bei den Kosaken zu Gast, die Küche
Bei den Kosaken zu Gast, die Gebetsecke
So baue man ein richtiges Holzhaus

Anschließend fahren wir weiter. Unser Fahrer sagt, dass es noch fünf Stunden Fahrzeit sind, da bleibt mir vor Schreck der Mund offen. Es sieht auf der Karte alles so nahe aus. Schließlich gelangen wir an die Autofähre, die kostenlos ist.

Mit der Autofähre auf die Insel Olchon
Auf der anderen Seite muß der Fahrer mit dem Kleinbus rückwärts von der Fähre herunterfahren, dass würde auch nicht jedem gelingen. Was wir für eine geschulte Spezialität an Fahrer haben, merken wir jedoch erst auf der Insel. Hier gibt es keine Asphaltstraßen mehr. Irgendwann war die Erde breit geschoben worden und so ist eine Straße entstanden, allerdings hat sie viel Verzweigungen und parallel laufende Wege. Wir hätten uns in diesem Dschungel an Wegen längst verirrt. Besonders schlimm ist, dass die Strassen ausgefahren sind und tiefe Gruben den Weg bestimmen. Wenn der Kleinbus in Schieflage kommt, dann fragt man sich, ab welchem Neigungswinkel der Bus umstürzen wird. Das Ergebnis dieser Fahrt war, dass am Ende die Automatik der Seitentür nicht mehr funktionierte und die Hecktüren nicht mehr geöffnet werden konnten. Wir übernachten im Minihotel Baikal des Reiseveranstalters Baikalterra, gelegen am Ortsrand des Dorfes Chudzir, direkt am Baikal, etwa in der Mitte der Längsachse der Insel. Dieses Minihotel ist im Jugendherbergsstil, in den letzten Jahren sicher gewachsen und hat auch kleine Bungalows. Die Zimmer sind sehr klein, unsere Dusche läuft aus, ergießt sich im Bad, der Handwerker wird gerufen, kommt nicht und nach zwei Tagen erträgt man es einfach. Das Frühstück ist karg, täglich irgendeine Kascha (Brei) von Hirse, über Hafer bis Gerste. Dazu belegte Brote auf Zuteilung. Verhungern werden wir nicht.
Auf dem Weg nach Chuzir, die Hauptstadt der Insel Olchon.
Das Minihotel Baikal

Abenteuer Sibirien, 4. Etappe Taischet – Irkutsk

In Irkutsk kommen wir am Hauptbahnhof am nächsten Morgen um 7:18 Ortszeit an, nach Moskauer Zeit in der Nacht. Hier endet nun unsere Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Wir haben 6 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland. Wir werden abgeholt und zu Galina gebracht. Sie wohnt im Zentrum von Irkutsk und vermietet Zimmer in einem 150 Jahre alten Holzhaus. Das Haus ist bisher nicht renoviert. Jede Familie bekommt ein ganz kleines Zimmer. Bei unserem Zimmerfenster ist das Fensterbrett außen in der Höhe des Fussweges. Über Jahrzehnte hat man den Fußweg und die Straße mit Asphalt erhöht und das Haus gleich mit eingefaßt. Galina ist eine jung erscheinende Dame mit einem immerwährenden Redeschwall, sehr freundlich und hilfsbereit. Sie hat für unser Frühstück Bliny bereitet, die wir mit Salat herzhaft oder süß mit vier verschiedenen Marmeladen (Warenije) verspeisen. Die Beeren des Sommers lassen grüßen. Dann beginnen wir unseren Besichtigungsspaziergang in die Stadt an der Ankara.

Galinas Holzhaus auf der Hofseite

Abenteuer Sibirien – In Birjusa

Wir werden am Bahnhof in Taischet abgeholt und mit dem Auto geht es etwa 15 km zum Dorf Birjusa am gleichnamigen Fluß. Birjusa ist mit seiner etwa 360-jährigen Geschichte das älteste Dorf im Kreis Taischet. Es befindet sich auf einer Insel im Fluß. Seinen Namen haben Fluß und Dorf in Anlehnung an einen ethnischen Stamm der Tataren, die in diesem Gebiet lebten.

Am Fluss Birjusa, der 1,12 km lang ist und dessen Wasser irgendwann in der Angara ankommt.
Gleichzeitig mit der Ansiedlung von Kosaken in Sibirien kamen in dieses Gebiet auch Verbannte, die an den Bauernaufständen teilgenommen oder sich gegen die Zarenherrschaft erhoben hatten. Durch Birjusa verlief der alte Sibirische Trakt, die alte Heer- und Handelsstraße, die quer durch Sibirien Moskau mit Irkutsk verband. Diesen Weg nahmen auch die Dekabristen. Heute leben in Birjusa etwa 600 Menschen. Das Dorf wurde auch bekannt durch ein Kinderheim, das 1932 für Kinder von Verbannten, die sich in Arbeitslagern befanden, gegründet war. Später lebten hier auch obdachlose Kinder in den Zeiten des Krieges und von Alkoholikern. Seit Ende der 1990-er Jahre war das Kinderheim von Doris Knop,ihrer Familie und vielen Freiwilligen finanziell und materiell unterstützt worden. 2014 wurde das Kinderheim geschlossen, obwohl es noch 30 Kinder gab, und brannte schließlich ab.
Valentina, unsere Gastgeberin, empfängt uns mit Freuden in ihrem Haus. Das Frühstück steht schon bereit. Obwohl ich mir so meine Gedanken gemacht hatte, wo wohl 8 Personen schlafen werden, ist dies überhaupt kein Problem. Alle Zimmer des kleinen Häuschens stehen zur Verfügung und wir nutzen ausklappbare Sessel, Couch und Bett zum Schlafen. Fließend Wasser gibt es nicht, dafür hat das Grundstück zwei Brunnen für das Trink- und Gießwasser. Valentina nutzt inzwischen die Sommerküche zum Leben und Schlafen. Besonders schön ist Valentinas Garten, da muss man kein Gras hauen. Viele Gemüse- und Blumenbeete, Obststräucher, die Pflanztöpfe bemalt und liebevoll arrangiert.
Die Balkonblumen zieht Valentina alle selbst und wie wunderbar sie doch gedeihen.
Man fragt sich, wie man in den wenigen Monaten des Sommers solche kräftigen Pflanzen heranziehen kann, wahrscheinlich mit sehr viel Liebe zur Natur. Der Hof wird von einem großen Hund bewacht, der immer (?) an der Leine liegt.
Das Wohnhaus von Valentina und die Gemüse- und Blumenbeete
Zu Valentinas Anwesen gehört auch die Sommerküche mit der Banja daneben. Hier kann man im Sommer bei großer Hitze wohnen, schlafen und kochen.
… und am Ende des Gartens sind das grüne Toilettenhäuschen und die Dusche mit dem Fass auf dem Dach…Im Winter, wenn beispielsweise 2m Schnee liegen, muß sich Valentina erst den Weg bis zum Toilettenhäuschen frei schaufeln.

Gegen Mittag holt uns die ehemalige Englischlehrerin zu einem Rundgang im Dorf ab. Sie erzählt uns über die Geschichte des Dorfes, über die Zeiten der Sowjetunion, wie es jetzt den Menschen geht, wie der Fortschritt kommt. Uns beeindruckt vor allem, wie trotz aller gesellschaftlicher und sozialer Widrigkeiten, trotz Verbannung, Arbeitslager, Hunger, Krieg und Not, eine kleine Gemeinschaft zusammenhalten kann. Und sie erzählt von den vielen Männern, die die Perestroika aus der Bahn geworfen hat und die sich dann dem Alkohol ergeben haben. So sind die Frauen die wahren Helden, aber sie wären schon dankbar, wenn sie sich einmal kurz anlehnen könnten.
Ein echtes sibirisches Holzhaus aus Zedernholz und Holz der Sibirischen Lärche.
Die bunten Häuser in Birjusa
Die russischen Häuser sind meist blau und grün gestrichen. Blau für den Himmel und Grün für die Natur. Ist doch der Winter lang in Sibirien, so hat man eben die Farben für die Erheiterung der Seele.
Mittagessen und Abendbrot kocht uns Valentina.Es ist stets sehr reichhaltig, mit drei Gängen, wie in Russland üblich. Das Essen ist bodenständig, alle Zutaten kommen aus dem Garten oder von den Nachbarn.
Eine kleine Fachsimpelei darüber, wie man sich mit den Gaben aus dem Garten ziemlich autark ernähren kann. Kühe und Hühner hat Valentina abgeschafft, aus Altersgründen. Aber Fleisch, Milch und Eier kann man im Dorf von den anderen Bewohnern erwerben.
Dann am Abend der Besuch in der Banja, Männer und Frauen getrennt. Zunächst war natürlich eine kleine Instruktion notwendig. Das warme Wasser kommt aus einem riesigen Badeofen, der mit Holz beheizt wird. Ab und zu gießt man Wasser auf den Ofen. Dann kommt ein großer Schwall heißer Luft in den Raum, dass es einen umwirft. Nun macht man sich eine Schüssel mit Wasser, gießt es sich über den Kopf und wäscht sich gründlich, spült alles wieder ab, immer mit der Schüssel, und legt sich dann auf die Liege (so wie in der Sauna). Dann nimmt jemand den Strauß aus Birkenreisig mit den Blättern, feuchtet ihn an und schlägt auf den Rücken, die Beine und die Füße. Es tut weh, aber man hält es aus. Nun noch schnell hinaus unter die Sommerdusche im Garten und das kalte Wasser über den Körper. Ach, ist das eine Lust (wo ist eigentlich meine Sommerdusche in Deutschland??). Als wir aus der Banja kommen sind wir wie neu geboren. Am nächsten Tag wieder ein wunderbares Frühstück und dann rüsten für den Ausflug in die Taiga. Wir können leider keine Bootstour machen, weil die Fische Schonzeit haben zum Laichen. Es geht mit den Autos zunächst am Fluss entlang, dabei machen unsere Begleiter eine Wettfahrt über Stock und Stein, durch Löcher, Wassergruben und über nicht befahrbare Wege. Schließlich finden wir einen Grillplatz direkt am Fluss. Der Tisch und die Bänke stehen für Besucher schon bereit. Braucht man also nur noch das Feuer anmachen und die eingelegten Hühnerbeine auf den Grill legen. Dazu Gemüse aller Art und Kartoffeln vom Spieß. Dann fahren wir hinauf auf den Berg und werfen einen Blick auf die Flusslandschaft, den unendlichen Wald und verinnerlichen das Bild dieses wunderschönen Fleckens Erde.
Blick vom Weissen Berg auf den Fluss Birjusa mit seinen Inseln und Krümmungen
Unsere Begleiter schlagen vor, einen kleinen Spaziergang zu machen. Die Autos werden auf einer Wiese abgestellt, das Gras geht uns bis an das Knie. Auf meine Frage, ob wir die Wanderstiefel brauchen, schaut der Begleiter nur auf seine Füsse und die stecken in Flipflop. Als wir die Autotür aufmachen, fallen die kleinen Mücken schon über uns her. Schnell haben wir die Wanderstiefel an, die langen Hosen und das Moskitonetz über dem Kopf. Mich stechen sie trotzdem mehrfach in die Ohrmuschel, und ich werde tagelang das Jucken verspüren. In Perm hatte uns unser Begleiter erzählt, dass er neulich bei seinem Freund nach einem Spaziergang im Waldpark 32 Zecken abgelesen hat. Das vergessen wir auch nicht. Unser Spaziergang entpuppt sich als ein Aufstieg auf den Weissen Berg (der Name ist vom Marmor) und eine Wanderung durch einen undurchdringlichen Wald. Ich gehe möglichst weit hinten in der Reihe, da sind dann vielleicht keine Zecken mehr im Anmarsch und man weiß auch, wohin man tritt. Es ist sehr warm an diesem Tag und die Anstrengung der Wanderung tun das ihre. An den offenen Stellen des Waldes wachsen Orchideen und Steinbrechgewächse, die gerade ihre Blütenstände schieben. Schließlich erreichen wir ausgepowert die Autos. Wir haben gerade noch zwei Stunden bis zur Abfahrt des Zuges. Das reicht für eine Dusche (das Wasser in der Banja ist noch warm), für das Abendbrot, und dann nehmen wir auch schon Abschied. Vielen Dank für den offenen Einblick in euer Leben, sagen wir. Kommt wieder im Winter, da ist der Fluß zugefroren, wir können angeln und eine deftige Banja nehmen, sagen unsere Gastgeber.

Der Zug fährt 20:45 Ortszeit, also Moskauer Zeit 15:45, man behalte den Überblick. Es ist der Zug Nr. 8, Novosibirsk-Wladiwostok. Wir halten die Hygiene aus, ist ja nur für eine Nacht. Die Technologie des Bettenbeziehens haben wir inzwischen auch gelernt. Einer steigt hoch und schüttelt das bezogene Bett nach unten.