Abenteuer Sibirien – Auf der Insel Olchon

Nun sind wir auf der Insel Olchon. Es ist die größte Insel im Baikalsee, 114 km lang und 15 km breit. Zwischen der Insel und dem Festland liegt das Kleine Meer. Auf der Insel findet man eine überwältigende Vielfalt der Landschaft. Weite Steppenwiesen, Sandstrände mit Dünen, Marmorfelsen in der Ebene und steile Klippen am Meer. Die Flora wandelt sich im Verlaufe der Insel, im Südwesten findet man Lärchenwälder, im Nordosten gibt es Steppenlandschaft. Am Nordkap vereinigt sich das Kleine Meer mit dem offenen Baikalsees (das Große Meer).

Unterwegs auf der Insel. Blick auf das Festland, dazwischen das Kleine Meer.

Von Olchon aus kann man Ausflüge buchen, meistens Routen an das Nordkap oder in den Süden der Insel. Begleitet werden wir von einem einheimischen Führer, der uns auch bereitwillig in die Mythologie des Landes einweist. Es sind unzählige kleine Minibusse mit Touristen unterwegs, die die Sehenswürdigkeiten der Insel abfahren. Auf unserer Route nach Norden besuchen wir das Cap Khoboy, welches den Baikalsees überragt und an dem man die kleinen Baikalrobben sehen kann. Der Ausblick auf den Baikal ist grandios.
Das Kleine Meer
Buchten und Sandstrände auf der Insel
Beim Fischerdorf am Sandstrand, wo es ehemals einen Betrieb für Fischerverarbeitung und ein Arbeitslager gegeben hat.
Schroffe Felsen und klares Wasser
Im Süden der Insel
Zu Gast bei den Burjaten

Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist jedoch der Schamanenfelsen bei Chuzir, eine heilige Stätte der Burjaten, die für Rituale genutzt wird. Dieser Felsen ist eines der Heiligtümer Asiens.
Der Schamanenfelsen und das Kleine Meer.
Am Schamanenfelsen.

Von besonderer Schönheit sind die Steppenwiesen. Es ist eine derartig große Vielfalt an üppig und bunt blühenden Pflanzen, wie man sie nur aus Steingärten kennt. Leider ist der Botaniker in mir zu gering ausgebildet worden, dass ich diese Pflanzen zuordnen könnte. Man möchte überhaupt nicht einen Fuss vor den anderen setzen, immer in Sorge darüber, dass man etwas zertritt.
Schon der Pflanzen wegen würde ich die Insel gern noch einmal besuchen, aber nur mit einem botanischen Buch in der Hand.
Wir haben auf der Insel zwei Tage verbracht, ohne An- und Abreise gerechnet. Dies ist definitiv zu wenig Zeit. Man benötigt doch etwas Freiheit, um die Insel in vollen Zügen genießen und nach der langen Reise aufatmen zu können.

Wir nehmen Abschied vom Baikal, von Sibirien und von Russland.

Abenteuer Sibirien, 5. Etappe – Auf der alten Baikaltrasse und Listwjanka

Heute fahren wir mit dem Touristenzug Nr. 934 um 7:45 Uhr Ortszeit vom Hauptbahnhof Irkutsk nach Sludjanka. In Sludjanka beginnt die 89 km lange, meist eingleisige Strecke der Baikalbahn, die zwischen 1902 und 1904 als Teil der Transsibirischen Eisenbahn erbaut worden war und am südwestlichen Ufer des Baikalsees entlang führte. Zahlreiche Tunnel durch Felsen und Brücken über Flüsse und Bäche mußten erichtet werden.

Tunnel an der Strecke
Aufgrund des Baus des Irkutsker Stausees 1951 ist der Wasserspiegel der Angara angestiegen, der ehemalige Streckenabschnitt mußte stillgelegt und die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn verlegt werden. Heute kann man etwa 7 km mit einem Touristenzug befahren und 39 Tunnel ansehen. In Sludjanka findet an unserem Zug ein Lokwechsel statt, anstelle der Elektrolok wurden zwei Dampfloks vorgespannt.
Die Elektrolok wird auf der alten Streckenführung durch zwei Dampfloks ausgetauscht.
Der Bahnhof in Sludjanka ist vollständig aus Marmorblöcken gebaut.
Ab hier fährt dann der Zug auf der alten Baikaltrasse entlang, manchmal direkt am Ufer. Der Zug hält mehrmals zum Aussteigen und Besichtigen der alten Streckenführung. Die Reiseleiterin erklärt uns die historischen Hintergründe und den Bau der Trasse, der Tunnel und Galerien. Die Fahrt endet in Port Baikal um 19:30 Uhr. Es ist eine erlebnisreiche Zugfahrt mit vielen Ausblicken auf wunderschöne Natur.
An der Trasse wurden Tunnel in den Berg gebaut und das Wasser wird in den See abgeleitet.
Was die Dorfbewohner an der Baikaltrasse verkaufen: Zedernzapfen und -kerne sowie Omul, den traditionellen Fisch aus dem Baikal

In Port Baikal nehmen wir das Fährschiff, um den Angara-Abluß zu queren. Kennen Sie die Legende? Angara, die einzige und schöne Tochter des Vater Baikal verliebte sich in den Jüngling Jenissei und flüchtete zu ihm. Der Vater warf ihr aus Zorn einen großen Felsbrocken nach, der bei Listwjanka als Schamanenstein aus dem Wasser ragt und die Grenze zwischen Baikal und Angara markiert. Mit ihrem Geliebten, dem Jenissei, vereinigt sich die Angara nördlich von Krasnoyarsk und bis dahin bildet sie mehrere Stauseen, die größten bei Irkutsk und Bratsk. Söhne, das heißt Zuflüsse, hat der Baikal mehr als 300. Wir nehmen Quartier in Sasha’s Guesthouse in Listwjanka. Es ist ein kleines Hotel, neu gebaut, mit Ausstattung im europäischen Standard und sehr freundlichem Personal. Die Küche ist auch super. Wir genießen die kurze Zeit. Listwjanka selbst ist ein kleiner Touristenort, der weiter ausgebaut werden soll. Für alle Nachmacher: In Listwjanka sollte man einen Tag länger bleiben, vielleicht auch mehr.

Die Unterkunft in Sasha’s Guesthouse in Listwjanka
Omul überbacken mit Käse – ein Gedicht

Abenteuer Sibirien – In Irkutsk

Irkutsk – die Partnerstadt von Chemnitz, sagt meine Kindheitserinnerung. Die Stadt liegt an der Angara, dem einzigen ABFLUSS aus dem Baikalsees. Bis zum Baikal sind es immerhin noch 70 km. Irkutsk entstand aus einem Kosakenfort und ist mehr als 350 Jahre alt. In der Stadt gibt es noch sehr viele Holzhäuser der sibirischen Architektur.

Die Holzhäuser der Stadt zeugen von einer Jahrhunderte alten Tradition.

Besonders schön sind die Dekorationen an den Fenstern der Häuser mit an Spitzenborte erinnernden Einfassungen, manche sind noch sehr gut erhalten.
Wir besuchen die ehemaligen Häusern von zwei Dekabristen, in denen die Familien von Sergei Trubezkoi und von Sergei Wolkonski gewohnt haben und die heute als Museum zu besichtigen sind.
Beide Dekabristen waren Fürsten, wurden 1826 im Zusammenhang mit dem Dekabristenprozess zu Zwangsarbeit und Verbannung in Sibirien verurteilt, ihre Frauen folgten ihnen in die Verbannung. Im Jahr 1845 siedelte sich die Familie Trubezkoi in Irkutsk an. In diesem Hause wurde 1970 die erste Ausstellung über die Geschichte des Dekabristenaufstands und das Schicksal der Dekabristen eröffnet. Heute bietet das Museum eine Menge Wissenswertes über die Dekabristen, zum Teil mit originalen Erinnerungsstücken bis hin zum Möbliar. In einer benachbarten Straße wurde 1985 auch der Gutshof der Familie Wolkonski als Museum eröffnet. Für uns öffnet der Besuch in den Museen ein weiteres bisher recht unbekanntes Kapitel der russischen Geschichte und erweitert den Horizont drüber, welches Schicksal das Wort „Sibirien“ für die Menschen über Jahrhunderte hinweg bedeutete. Interessanterweise hatten wir einige Irkutsker Passanten und unsere Gastgeber befragt, wo denn die Museen sind – die Auskünfte waren eher vage.

Der Gutshof der Familie Trubezkoi in Irkutsk
Der Gutshof der Familie Wolkonski in Irkutsk
Da die beiden Gutshöfe doch etwas am Stadtrand liegen, aber doch zu Fuß zu erreichen sind, führt unser Weg zurück über den Zentralmarkt, der in russischer Tradition geführt und sehenswert ist. Anschließend kommen wir durch das Quartier 130. In Wikipedia steht dazu: eine spezielle Zone des historischen Wiederaufbaus. In diesem Wohnbezirk entstanden Holzhäuser am Anfang des 18. Jahrhunderts. Im Jahr 2008 zum 350. Jahrestag der Stadt wurde beschlossen, hier eine besondere historische Zone einzurichten. Die alten verfallenen Häuser wurden abgerissen und mit neuaufgebauten Häusern ersetzt. Heute findet man in diesem Quartier Restaurants, Cafés, Hotels und Wohnhäuser.
Rekonstruktion von Häusern im Quartier 130

Und was kann man noch in Irkutsk unternehmen? Wir machen einen Bootsfahrt auf der Angara und erfassen vom Fluß aus die Größe der Stadt, das wunderschöne Stadtbild mit den vielen Kirchen im russisch-orthodoxen Stil, und wir lassen uns einfach auf der Uferpromenade treiben.

Abenteuer Sibirien, 1. Etappe Dresden-Moskau

Mythos Transsibirische Eisenbahn. Wir wollten die Transsib er“fahren“ (zumindest einen Teil) und (Sibirien) er“leben“.
Die erste Etappe ging von Dresden nach Moskau, der leichteste Abschnitt mit Aeroflot. Spät in der Nacht kommen wir im Hotel Izmailovo Alpha an.

Hotelcomplex Izmailovo
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Unmengen von Chinesen an der Rezeption, auch eine Auswirkung der Russland-Sanktionen. Russland öffnet sich nach Osten und man kann es überall sehen und erleben. Die Hinweise und Informationen für Touristen im ganzen Land sind nunmehr auch auf chinesisch. Es dauert eine lange Zeit, ehe wir unsere Pässe und Visa registriert haben. Das Hotel liegt am Izmailovo Park und dem Izmailovo Kreml.
Am nächsten Morgen dann die Freude Moskau wiederzusehen. Die Metrostation Partizanskaya ist gleich neben dem Hotel, man nehme die Blaue Linie und steige am Platz der Revolution aus. Zum Roten Platz nur ein paar Schritte. Da ist er, der Rote Platz in seiner ganzen Schönheit. Denn „красный“ kommt von Schönheit und wurde dann zu rot. Leider ist der Platz etwas abgesperrt, denn die Stadt rüstet zum Feiertag, zum Tag Russlands (День России) am 12. Juni, und die Tribünen werden aufgebaut.
Basilius-Kathedrale an der Südseite des Roten Platzes, heute ein Museum
. Vom Roten Platz aus geht man durch den Alexandergarten vorbei am Grabmal des unbekannten Soldaten zu den Kassen für den Kreml. Wir hatten die Karten für die Besichtigung schon vorab im Internet gekauft, so dass wir uns nicht in die endlosen Schlangen für die Touristen einreihen müssen.
Staatliches Historisches Museum
Es dauert eine ganze Weile, bis man die Sicherheitsmassnahmen durchlaufen hat und endlich den Kreml betreten kann. Die Kathedralen und Paläste, die Farben und das Gold, der Prunk und die Schlichtheit, sie beeindrucken uns nachhaltig. Das herrliche Sommerwetter trägt auch dazu bei, uns einen wunderschönen ersten Urlaubstag zu bescheren.
Glockenturm Iwan der Große. Mit 81 Metern das größte Bauwerk im Kreml und lange Zeit auch in Moskau selbst.
Auf dem Palastplatz.
Der Erlöser Turm (Спасская башня)
Als die Glocken am Erlöserturm Mittag einläuten, verlassen wir den Kreml in Richtung GUM und genießen eine kurze Pause im ehrwürdigen Kaufhaus. Inzwischen in der Hand der Markenlabel aus aller Welt, jedoch fast keine Kunden. Lediglich im Restaurantbereich (Achten Sie auf die Preise) kann man bei der Selbstbedienung einen kleinen Imbiss nehmen.
Im Warenhaus GUM mit einer über 100-jährigen Geschichte, einst das größte Warenhaus Europas. Blick auf den Brunnen unter der zentralen Glaskuppel.
Anschließend gönnen wir uns eine Stadtrundfahrt mit einem Hop-on-hop-off-Bus, die Haltestelle ist direkt an der Ecke des GUM am Roten Platz, gegenüber dem Erlöserturm. Übrigens diese Busse gibt es in Russland bisher nur in Sankt Petersburg und Moskau.
Und dann am Abend: Endlich geht die Zugreise los, vom Jaroslawler Bahnhof.