Wenn der weiße Flieder wieder blüht…

… dann ist Vollfrühling, der Frühling ist bald vorbei und der Frühsommer steht vor der Tür.

Der Flieder gehört zu den phänologischen Zeigerpflanzen. Was bitte ist Phänologie?
Das Wort kommt vom altgriechischen Wort phaino für „ich erscheine“ und beschreibt die periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur im Jahresverlauf. Das phänologische Jahr hat 10 Jahreszeiten: drei im Frühling, drei im Sommer, drei im Herbst und den Winter. Diese Jahrezeiten werden durch bestimmte Wachstumsstadien an ausgewählten Pflanzen, den Zeigerpflanzen, bestimmt.
Welche Pflanzen zeigen noch den Vollfrühling an: Der Apfel blüht zu Beginn und am Ende sind es die Gräser, die erste Ähren und Rispen bilden. Der Goldregen, das Maiglöckchen, der Bärlauch blühen und die Stieleichen treiben Blätter.

Wenn Holunder und Robinie anfangen zu blühen, dann wissen Sie Bescheid. Der Frühling ist vorbei, ein neuer Sommer beginnt, die Gräser sind auf dem Höhepunkt der Blüte – Vorsicht für alle Heuschnupfen-Geplagten.

Kaufen wir für den Balkon Pelargonien oder Geranien?

In den Gärtnereien finden wir jetzt wunderschöne Zuchtformen der Pelargonien, die ab Mitte Mai den Balkon und unsere Beete schmücken. Für das Umtopfen kaufen wir Geranienerde. Was ist also richtig Pelargonie oder Geranie?
Die Pelargonien sind eine Pflanzengattung in der Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae). Ihr Gattungsname leitet sich vom griechischen Wort pelargos für „Storch“ ab, weil die Früchte storchschnabelartig verlängert sind.
Umgangssprachlich wird für Pelargonien, die als Balkon- und Beetpflanzen verkauft werden, der Name „Geranien“ verwendet. Botanisch ist dies jedoch nicht korrekt.
Pelargonien und Geranien gehören der gleichen Pflanzenfamilie an und sind doch unterschiedliche botanische Gattungen. Es gibt zwischen den Gattungen Geranium und Pelargonium deutliche Unterschiede im Blütenaufbau. Beide Gattungen haben je fünf Blütenblätter. Bei den Geranien sind diese Blütenblätter radiär um die Achse angeordnet, so dass man fünf Symmetrieachsen definieren kann. Dagegen sind bei den Pelargonien die fünf Blütenblätter nur um eine Symmetrieachsen angeordnet: die oberen beiden Blütenblätter sind länger und meist mit einem Muster gezeichnet, während die drei unteren Blütenblätter kürzer sind. Es entsteht eine sogannte zygomorphe Blüte, eine Blüte mit zwei spiegelgleichen Hälften.

Andererseits können Geranien ihre Samen explosionsartig wegschleudern, so dass sie sich weit ausbreiten können. Geranien sind eher Bodendecker unter Sträuchern und im Steingarten, jedoch keine Balkonpflanzen.

Schuld an dieser Verwirrung ist der große schwedische Botaniker Carl von Linné (1707–1778), der die binäre Nomenklatur für die botanische und zoologische Taxonomie schuf und vielen Pflanzen ihren lateinischen Namen mit dem botanischen Autorenkürzel „L.“ gab. Er ordnete die Pelargonie, die aus Südafrika stammt, der Gattung Geranium zu. Bis heute wird also an diesem Namen festgehalten, obgleich bereits 1789 mit der Erstbeschreibung der Gattung Pelargonium durch den französischen Botaniker Charles Louis L’Héritier de Brutelle die Pflanze der Gattung Pelargonium zugewiesen worden ist.

Jetzt wissen Sie Bescheid beim Kauf der Geranienerde für die Pelargonien.

Wie kommen die Streifen auf die Tulpen?

Tulpen
Moderne gelbe Tulpensorte mit rotem Muster

Es waren ursprünglich die sogenannten Rembrandt-Tulpen (die „gebrochenen“ Tulpen), die gestreifte, geflammte, gefleckte, zwei- und mehrfarbige Blütenblätter zeigten. Lange wußten die Tulpenzüchter und -händler nicht, wie es zu diesen Farbbildern kommt. Es ist ein Virus, das Tulpenmosaikvirus oder kurz TBV genannt, das diese Zeichnungen hervorbringt.

Gebrochene Tulpen
Ausschnitt von einem Graphikblatt aus dem Florilegium Hortus Eystettensis von Basilius Besler. Dargestellt sind Rembrandt-Tulpen (Gebrochene Tulpen).

Das Virus hat gewissermassen dazu beigetragen, dass während des Tulpenfiebers (oder auch Tulpenmanie) im 17. Jahrhundert in den Niederlanden spektakulär hohe Preise für Tulpenzwiebeln erzielt werden konnten. Die bekannteste Sorte dieser Zeit war die Sorte ‚Semper Augustus‘, die teuerste Tulpe der Welt. Sie ist inzwischen ausgestorben. Die Schönheit der Tulpen jener Zeit kann man in den wichtigsten Blumenbüchern, den Florilegien, an Hand aquarellierter Kupferstiche betrachten. Am berühmtesten ist das Florilegium Hortus Eystettensis, der Eichstätter Garten des Bischofs von Gemmingen, erschienen 1613 und ausgeführt von Basilius Besler, das 50 Tulpensorten zeigt.

Das Virus wird über Blattläuse übertragen, infiziert die Tulpenzwiebel und ruft unterschiedliche Farbmuster auf den Blütenblättern hervor. Die Farbbilder entstehen durch die Anreicherung oder den Verlust von Pigmenten, insbesondere der roten Farbstoffe, der Anthocyane, in den Vakuolen der oberen Epidermis und erscheinen erst, wenn die normale Blütenblattfarbe entwickelt ist. Beide Seiten des Blütenblatts zeigen oft unterschiedliche Farbbilder. Übrigens – gelbe und weiße Tulpen zeigen diese Muster nicht, denn sie haben keine Anthocyane. Das Virus kann ziemlich schwer bekämpft werden, denn es ist weltweit verbreitet, besonders in der gemäßigten Klimazone. Und es führt zur Degeneration der Zwiebel wie auch der Pflanze, so dass viele der Rembrandt-Tulpen nicht mehr existieren.

Die heutigen geflammten Sorten sind genetisch mehrfarbig und virusfrei. Sie werden nicht mehr als Rembrandt-Tulpen vermarktet und man findet sie in allen Tulpenklassen, bei den einfachen Tulpen, den Papageientulpen oder den paeonienblütigen Tulpen. Diese modernen Sorten sind das Ergebnis langjähriger Züchtung und entstehen aus Mutanten bestimmter Sorten.